„Gutes Feng-Shui ist nicht sichtbar, es ist spürbar“– Feng-Shui-Expertin Ursula Mörtl im Interview

In einer Zeit, wo der Alltag meist von Hektik und Stress bestimmt wird, bringt sie Entschleunigung in das Zuhause ihrer Kunden. Und ihr Name ist Programm: Ursula Mörtl ist Diplom-Ingenieurin für Architektur. Als Feng-Shui-Expertin hinterfragt sie schon einmal die eine oder andere Regel und setzt bei ihrer Arbeit lieber mehr auf Individualität. Im Interview hat sie uns erzählt, was einen Raum harmonisch macht, welche Bedeutung Intarsien dabei haben können und warum die Jahrtausende alte chinesische Weisheitslehre zwar keinem Trend folgt, aber trotzdem voll in ist.  

 

Was ist Feng-Shui?

Feng-Shui ist eine Erfahrungswissenschaft und heißt übersetzt „Wind & Wasser“. Durch Naturbeobachtungen wurden positive und negative Erfahrungen gesammelt. Daraus wurden Feng-Shui-Regeln oder auch Maßnahmen abgeleitet. Ich finde das eigentlich nicht so schön und nenne es dann immer meine WOHNfühl-Tipps für den Wohnbereich oder WORKflow-Tipps für Arbeits- und Geschäftsräume. 

 

In den meisten asiatischen Kulturen kommt der Spiritualität eine ganz andere Bedeutung zu als bei uns. Wie passt Feng-Shui in unser Weltbild?

Die östliche Lebensweise ist anders als wir leben. Ich arbeite nach dem westlichen Feng-Shui. Das heißt für mich, ich verbinde die östlichen Weisheiten mit unserem westlichen Denken. Wenn ich mir zum Beispiel die Zahl vier anschaue, dann wird diese mit Tod und Angst verbunden. Bei uns ist das aber etwas Positives. Ein vierblättriges Kleeblatt gilt zum Beispiel als Glückssymbol. Genau so verhält es sich auch mit der Farbe Weiß, die in China Trauerfarbe ist. Gerade heutzutage ist Feng-Shui und somit das Hören auf unsere Intuition, das eigene Bauchgefühl, wichtig. 

 

Welches Ziel wird beim Einrichten nach Feng-Shui verfolgt?

Ziel ist, dass wir uns in unserer Umgebung wohlfühlen und mit uns im Reinen sind. Die Umgebung macht etwas mit uns und der Unterschied ist fühlbar. Es ist einfach nicht das selbe, ob ich im Wald mit all seinen Naturgeräuschen spazieren gehe, oder in der Stadt mit Verkehrslärm. Mit Feng-Shui gestalten wir unsere Wohn- und Lebensräume bewusst. 

 

 

Beim Thema Feng-Shui scheiden sich die Geister: Die einen halten es für esoterischen Unsinn, die anderen schwören darauf.

Das Feng-Shui das ich mache, hat nichts mit Hokuspokus und Esoterik zu tun. In meine Arbeit fließen unsere Urinstinkte und Urbedürfnisse, unsere Sehnsüchte ein. Man will sich einfach wohl und geborgen fühlen. Die Welt ist  hektisch, alles ändert sich so schnell und ist ständig im Umbruch. Da braucht man dann zu Hause wirklich einen Rückzugsort, wo man abschalten und loslassen kann. Da muss ich keine bestimmte Rolle spielen, da kann ich einfach sein. 

 

Das heißt, mit Feng Shui schaffen wir zu Hause bewusst einen Gegenpol zu unserem hektischen Leben. Ein Lebensgefühl, das beispielsweise auch ein Wohntrend wie Slow Living verkörpert?

Feng-Shui hat zwar nichts mit Trends zu tun, aber was steht hinter Strömungen wie Slow Living oder Zurück zur Natur? Der Wunsch nach Nachhaltigkeit und natürlichen Materialien wie Holz oder Naturstein. Diese Geborgenheit, dieses Cocooning ist genau das, was Feng-Shui sagt: Individualismus in einer schnelllebigen Zeit. Man trifft sich jetzt lieber zu Hause und kocht zusammen mit Freunden. Da steht die Heimeligkeit im Vordergrund. 

 

Wie funktioniert nun das Einrichten nach Feng-Shui?

Man arbeitet im Feng-Shui zum Beispiel mit der universellen Lebensenergie Chi, die den Energiefluss optimieren, leiten und lenken soll oder mit Yin & Yang, wobei das eine nicht ohne das andere funktioniert, das ist so wie Tag und Nacht oder hell und dunkel. Das harmonische Miteinander ergibt dann die Harmonie im Wohnraum. 

„Wenn in einem Raum alle fünf Elemente im Gleichgewicht sind, dann wird er als harmonisch empfunden.“

 

Auch die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sind ein Feng-Shui-Werkzeug. Dabei geht es ganz stark darum, die Natur von draußen in die Wohnräume reinzuholen. Und auf diese fünf Elemente kann man alles runterbrechen: Farben, Formen, Materialien oder auch Bilder. Und da ist immer ganz wichtig, dass die Elemente im Gleichgewicht sind. 

 

Welche Rolle spielen dabei Farben oder Wohnaccessoires?

Farben sind beim Feng-Shui ganz wichtig. Es muss jetzt nicht die Knallfarbe sein. Man kann sehr schön mit Pastellfarben und feineren Nuancen arbeiten. Wir umgeben uns ja den ganzen Tag mit Farben. Da geht es dann darum, einfach die richtigen Farben auszuwählen. Die, die zu den Bewohnern und dem Raum passen. Es gibt ja auch wissenschaftliche Studien dazu, dass jede Farbe eine gesundheitliche Wirkung hat. Ein weiterer wichtiger Punkt beim Einrichten nach Feng-Shui sind die den fünf Elementen zugeordneten Materialien. Es geht immer eines ins andere.  

„Das einfachste Hilfsmittel in einen Raum Energie reinzubringen, ist mit Farben zu arbeiten.“

 

Im Schlafzimmer würde ich eher Grün- und Blau-Töne empfehlen. Grün ist die körperliche und Blau die geistige Erholung. Grün ist dem Element Holz zugeordnet. Typische Holzarten dieses Elements sind Bambus, Buche oder Birke.

 

Beim Einrichten mit dem Element Wasser kommen alle Blau-Töne, Schwarz oder Dunkelgrau und Materialien wie Glas, Wasser oder Spiegel zum Einsatz. Beim Element Holz dominieren Holz, Pflanzen, Baumwolle oder Korbwaren die Dekoration.

 

Alle Rot-Töne, Orange, Rosa, Purpur oder Rotviolett sind nach Feng-Shui dem Element Feuer zugeordnet. Wenn ein Holzboden sehr rötlich ist, hat das einen Touch des Feuerelements. Typische Holzarten wären beispielsweise Mahagoni, Esche oder Douglasie. Beim Einrichten werden Leder oder Wolle, aber auch Kunststoff verwendet.

 

Für das Element Erde stehen alle erdigen Farbtöne wie Gelb, Ocker, Braun oder Beige. Für die Bodenwahl kämen beispielsweise Hölzer wie Olive oder Robinie in Frage. Typische Materialien sind Stein, Beton oder Keramik. 

 

Beim Element Metall sind metallische und glänzende Farben wie Silber, Gold, Weiß, Hellgrau bestimmend. Am Boden findet man dann Holzarten wie beispielsweise Eiche. Als Material sind alle Metallsorten, aber auch harte Steine wie Granit und Marmor möglich. 

 

Wie setzen Sie Feng-Shui bei Ihrer Arbeit um?

Es passiert sehr viel im Unbewussten. Auch im Feng-Shui arbeitet man damit. Farben, Formen, Materialien aber auch Symbole und Bilder wirken oft unterbewusst auf uns. Mir ist Individualität, abgestimmt auf die Bewohner, sehr wichtig. Für jeden Bewohner wird sein ganz persönliches Element berechnet. Es passt einfach nicht für jeden das gleiche.

„Ich verstehe Feng-Shui ähnlich wie Akupunktur bei uns Menschen. Ich arbeite allerdings nicht mit Nadeln, sondern setze Blickpunkte durch Formen, Farben, Materialien, Bilder, Pflanzen oder das Stellen von Möbeln. Aber auch durch Ordnung, um den Energiefluss zu fördern.“  

 

Ein zentraler Punkt beim Einrichten nach Feng-Shui ist die Betonung der Mitte eines Raums am Boden oder an der Decke durch Lichtquellen,Teppiche, Möbel oder Pflanzen. Etwas aufwändiger, aber sehr effektvoll: Intarsien als Blickpunkt setzen.
 

„Gutes Feng-Shui ist nicht sichtbar, es ist spürbar. Man kommt rein und fühlt sich einfach wohl.“ 

 

Es gibt Räume, da fühlt man sich sofort wohl. Und wenn man sich die dann genauer anschaut, wurden dort zum Beispiel alle fünf Elemente aus der Natur mit reingebracht.

Liebe Frau Mörtl, herzlichen Dank für das Interview. 

 

Mehr über die Raum.Balance. Architektin DI Ursula Mörtl und ihre Arbeit findet ihr auf ihrer Webseite.

Wenn es um den Boden geht: Wir beraten euch sehr gerne und freuen uns auf euren Besuch in einer unserer Filialen.  

 

 

Fotos: Wohngesund, AbsolutText, 123RF.com

Kommentare

Sehr schönes Interview, liebe Ursula! :) Alles Liebe, Susi